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Anreise/Anfahrt

Bilder der Person

Foto Kazimierz Soporowski

Kazimierz Soporowski

Geboren am 14.11.1914 in Warschau
Gestorben am 09.04.1945 in Essen
Beruf(/-e):

Zwangsarbeiter


Ehrenbürger: Nein

Vita

Kasimir Soporowski war einer von neunzehn Zwangsarbeitern, der am 9. April 1945 am Essener Schuirweg seinen Tod durch einen alliierten Fliegerangriff fand –zwei Tage vor der Übernahme der Stadt durch die Amerikaner.

Kasimir Soporowski, sein Bruder und sein Schwiegervater, alle aus Warschau stammend, wurden im August 1944 nach Deutschland verbracht. Widerstand und Gegenwehr hätten eine Bedrohung der Familie bedeutet. So wurde Kasimir Soporowski, wie zirka 70.000 weitere Frauen und Männer aus vielen Teilen Europas, aus seiner Heimat zur Zwangsarbeit nach Essen verschleppt, und war dort in der Eisenbahnwerkstatt in Katernberg tätig. Soporowski wurde dazu gezwungen „in der Rotte“ zu arbeiten, sprich, er wurde, wie zahlreiche andere Zwangsarbeiter auch, für Gleisarbeiten eingesetzt.

Am 9. April 1945 mussten Soporowski, sein Schwiegervater und Bruder sowie zirka 3.000 weitere Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter getrieben von deutschen Soldaten, der Polizei und Jugendlichen der Hitlerjugend gen Essens Süden marschierten. Gegen Mittag, während einer kurzen Rast im Essener Stadtteil Heißen, wurde die Kolonne von Aufklärungsflugzeugen der Air Force beobachtet. Da viele der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eine Art blaue Drillich-Kleidung trugen, die von der Luft aus stark an die Kleidung des deutschen Volkssturms erinnern musste, beschossen die alliierten Jagdbomber irrtümlicherweise die geschwächten und vom Marsch gezeichneten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Tiefflug. Viele der Menschen fanden Schutz in einem umliegenden Waldstück und weitere in der Nähe des umliegenden Klosters. Letzteres wurde für zahlreiche Verletzte zum Ort der ersten Versorgung und Pflege. 19 Menschen starben – unter ihnen Kasimir Soporowski.

Er, sein Schwiegervater und sein Bruder hatten sich in einem Graben neben der Straße verborgen. Nach dem Luftangriff stellte Kasimirs Bruder fest, dass Kasimir durch ein Geschoss am Bauch verletzt worden war und im Sterben lag. Völlig unter Schock lief er davon und ließ seinen Bruder alleine zurück. Als er am nächsten Morgen an den Ort des Grauens zurückkam, fand er von seinem Bruder nur dessen Mütze.

Kasimir Soporowski hinterließ seine Frau und seinen fünfzehn Monate alten Sohn. Bruder und Schwiegervater, die den Angriff überlebten und in die Heimat zurückkehren konnten, sollten dem Sohn, Bogdan Soporowski, Jahre später erzählen, dass davon auszugehen sei, dass dessen Vater mit anderen Toten zusammen in einen Graben gelegt und mit Sand und Kalk zugeschüttet worden sei. Bogdan Soporowski versuchte viele Jahre lang das Grab und den Sterbeort seines Vaters zu finden. 2006 sollte es ihm endlich, maßgeblich durch die Hilfe des Hobbyhistorikers Herbert Fries, möglich sein. Fries wurde über einen Mittelsmann Bogdan Soporowskis kontaktiert und machte sich auf die Suche – eine Suche, die Zeitzeugen, Behörden und Archive einband und erforderlich machte.

Die Suche nach der letzten Ruhestätte Soporowskis wurde maßgeblich dadurch erschwert, dass die Toten, nach der provisorischen Bestattung, die nach deutschem Recht nicht zulässig ist, umgebettet worden waren. Nach emsiger Recherche vor Ort und von Polen aus, stellte sich heraus, dass die Toten des Luftangriffes auf dem Feld 23 a-b des Essener Südwestfriedhofes bestattet wurden – eine Ruhestätte für eine Frau und 24 Männer, die alle Luftangriffen zum Opfer fielen.

Eine Gedenkfeier wurde geplant. Bogdan Soporowski und seine Familie kamen am 9. April 2006 nach Essen. Dort besuchte er, in Begleitung seiner Familie und Fries, das Gräberfeld 23 a-b auf dem Essener Südwestfriedhof. Hier stellte er ein Namensschild „Kasimir Soporowski“ an ein orthodoxes Kreuz und legte Blumengestecke und Blumenkränze nieder. Kasimir Soporowskis ist seitdem der einzige Tote, dessen sterbliche Überreste in dem Gräberfeld nicht mehr anonym sind. Im Anschluss daran wurde der Schuirweg aufgesucht, der Sterbeort des Vaters. Dort stellte man zum Gedenken an Kasimir Soporowski Kerzen auf. Am nächsten Tag, dem 10. April 2006, wurde ein Gedenkgottesdienst in der evangelischen Kirche am Heierbusch an der Meisenburgerstraße abgehalten – im Gedenken an den 9. April 1945, die Ereignisse am Schuirweg und die Zwangsarbeiter. Anschließend wurde eine Kerzenprozession abgehalten. Einige Stunden später fand eine ähnliche Messe in der katholischen St. Marienkirche in Segeroth statt: diesmal auf polnischer Sprache, ermöglicht durch die polnische Mission. Am 11. April gab es schließlich eine Ehrung der Toten vom Essener Schuirweg auf dem Essener Südwestfriedhof. Der Referent des Stadtdirektors, Förster, und Vertreter der Bezirksvertretung III, Gille und Pöllen, müssen als die Organisatoren dieser Ehrung genannt werden. Die Familie Bogdan Soporowskis, ein katholischer Geistlicher der polnischen Mission, einige Elisabetherinnen – Schwestern des Klosters am Schuirweg –, Herbert Fries und einige Vertreter der Stadt wohnten dieser Zeremonie beim Gräberfeld 23 a-b bei. Dort wurden zuvor die Gräber vom Winter gesäubert, die Wege mit frischer Asche belegt und ein Blumengesteck der Stadt Essen abgelegt. Bruno Pöllen, einer der Bezirksbürgermeister Essens, hielt eine Rede, in der er die Geschehnisse vom 9. April 1945 aufgriff und der Opfer gedachte. Im Anschluss daran wurden Worte über die Schwierigkeiten der Suche und des Dankes gesprochen.

Die Erinnerungskultur, die sich nun mit der Person Kasimir Soporowkis, beziehungsweise den Ereignissen vom 9. April 1945 und den in Essen zur Arbeit gezwungenen Zwangsarbeitern beschäftigt, geht nach den oben beschriebenen Feierlichkeiten jedoch weiter. Heute erinnert ein Mahnmal an die damaligen Geschehnisse. Dieses befindet sich, wie auch die letzte Ruhestätte der Toten vom Schuirweg und damit Kasimir Soporowskis, auf dem Essener Südwestfriedhof und trägt die Inschrift: „Den Opfern des Krieges und der Gewalt“. Hinzu kommt, dass am Volkstrauertag den Zwangsarbeitern des Essener Raums gedacht werden, unter anderem durch den Oberbürgermeister un dem Bürgerverein Frohnhausen 1927. Darüber hinaus erinnert eine Gedenktafel im Essener Stadtraum (am Arbeitsamt der Stadt Essen) der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die nach Essen verschleppt und zur Arbeit gezwungen wurde. Jene Gedenktafel schließt auch Kasimir Soporowski mit ein.

Fußnoten:

Sonstige

• Gedächtnisfeier: Fries, Herbert: Schuir 9. April 1945. Mensch? Unmensch!? Mensch. Ein Bericht, keine Dokumentation. In: Essener Beiträge. Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 119. Band (2006), hrsg. vom Historischen Verein für Stadt und Stift Essen e.V., S. 520.

Literatur

• Fries, Herbert: Schuir 9. April 1945. Mensch? Unmensch!? Mensch. Ein Bericht, keine Dokumentation. In: Essener Beiträge. Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 119. Band (2006), hrsg. vom Historischen Verein für Stadt und Stift Essen e.V., S. 499-521.

• Schmidt, Ernst/ Zimmermann, Michael: Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert, Essen 2002, S. 109.

Internetquellen

Der Westen

Urban Kaleidoscope

Grab

Ehrengrab: Nein
Friedhof: Südwestfriedhof