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Foto Eisenhammer im Deilbachtal

Deilbachhammer im Deilbachtal

Oberbürgermeister Thomas Kufen beim Richtfest des Deilbachhammer-Ensemble.

Oberbürgermeister Thomas Kufen beim Richtfest des Deilbachhammer-Ensemble (17.3.2018).

Oberbürgermeister Thomas Kufen (3.v.l.) beim Richtfest des Arbeiterhauses Deilbachhammer. V.l.n.r. Klaus Kaiser, Hans Schippmann, Simone Raskob und Kulturdezernent Muchtar Al Ghusain.

Oberbürgermeister Thomas Kufen (3.v.l.) beim Richtfest des Arbeiterhauses Deilbachhammer (17.3.2018). V.l.n.r. Klaus Kaiser, Hans Schippmann, Simone Raskob und Kulturdezernent Muchtar Al Ghusain.

Deilbachhammer Ensemble

Deilbachhammer auch Eisenhammer genannt

Der Deilbachhammer ist der letzte im Ruhrgebiet erhaltene Eisenhammer am authentischen Standort. Das Gebäudeensemble besteht heute aus dem „Meisterhaus“, dem „Arbeiterhaus“ und dem „Hammergebäude“. Vermutlich im 16. Jahrhundert als eine dem Deilmannschen Bauernhof zugehörige Schmiede gegründet, entwickelte sich diese ab dem 18. Jahrhundert zu einem Handwerksbetrieb mit eigenständigen Schmiedemeistern.

Jüngste Funde und Forschungen lassen die Vermutung zu, dass der Deilbachhammer zwischen 1831 und 1844 eine Art von „Bahnbetriebswerk“ zu der ersten Eisenbahn Deutschlands, der Deilthaler Eisenbahn gewesen ist, die maßgeblich von dem Industrievisionär Friedrich Harkort initiiert worden war. Die Deilthaler Eisenbahn war eine 7,5 km lange schmalspurige Pferdebahn, die von der Zeche „Ver. Himmelsfürster Erbstollen“ (1787-1925, Ausgang des Deipenbecktals im Grenzbereich Essen-Überruhr/Kupferdreh) bis nach Velbert-Nierenhof führte und der Kohleversorgung des frühindustrialisierten Wuppertaler Raumes diente. Diese Bahn verlief seinerzeit zwischen Hammergebäude und Meisterhaus des Deilbachhammer-Ensembles. Durch eine Hochwasserabschwemmung wurde 2006 ein Teil einer Pflasterung freigelegt, die zweifelsfrei als Trassenkörper der Deiltahler Eisenbahn identifiziert werden konnte. Quellen belegen darüber hinaus, dass der Deilbachhammer zu dieser Zeit um eine Schlosserei, eine Tischlerei, ein Stallgebäude sowie um eine heute in Deutschland einzigartige exzenterangetriebene Stahlschere erweitert wurde. Die Schere diente vermutlich einerseits dem Zuschnitt der Bandeisen, die als Laufflächen auf den hölzernen Schienenkörper aufgelegt waren und andererseits der Zurichtung von Metallbandagen zur erhöhten Stabilität der Transportwagen.

1911 wurde der Deilbachhammer dann von dem in unmittelbarer Nachbarschaft gebauten Kohlekraftwerk der Bergischen Elektrizitäts-Versorgungs GmbH, dem ersten industriellen Konkurrenten um die Nutzung der Wasserrechte, aufgekauft und 1917 nach einem Bruch der Hammerwelle stillgelegt. 1936/37 konnte der langsam verfallende Eisenhammer in einer konzertierten Aktion unter Beteiligung der Kraftwerksgesellschaft, der Firma Krupp, dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEH), dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI), der Stadt Essen und der Provincialverwaltung des Rheinlandes als „technisches Kulturdenkmal“ betriebsfertig wiederaufgebaut werden. Die Sanierung erfolgte auf der Grundlage einer umfassenden Bauaufnahme durch Studierende der Höheren Staatslehranstalt für Hochbau in Essen unter Leitung des Dozenten Wilhelm Claas. Zusammen mit dem aus dem Siegerland überführten und etwa zeitgleich auf der Essener Margarethenhöhe wiederaufgebauten Kruppschen Halbachhammer ist der Deilbachhammer damit europaweit ein Pilotprojekt zu der Verfahrensweise der späteren Freilichtmuseen.
In den 1960er Jahren erwarb die Stadt Essen das Deilbachhammer-Ensemble von der Kraftwerksgesellschaft.
Verschiedene, nicht hinreichend auf die Langzeitfolgen reflektierte Landschafts- und Baueingriffe machten den Eisenhammer im Laufe der Zeit zu einem baulichen Problemobjekt. So wurde z. B. der ehemalige Unterwassergraben, der u. a. auch der schnellen Abfuhr von regelmäßig auftretenden Hochwässern diente, durch eine höchst anfällige Pumpentechnik ersetzt. Durch das regelmäßige Versagen der Pumpe kam es bei Überschwemmungen zu langen Standwasserzeiten mit erheblichen Schäden an Gebäuden und Maschinen. Ende der 1970er Jahre wurde das technische Inventar des Deilbachhammers in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege erneut umfassend saniert. Da ein Wasserbetrieb durch den teilweisen Abriss des ehemalige Unterwassergrabens nicht mehr möglich war, entschied man sich für einen Elektroantrieb, um Hammer- und Blasebalganlage wieder öffentlich im Betrieb vorführen zu können. In den 1980er Jahren sollte das Kulturdenkmal dann vom Rheinischen Landschaftsverband als Außenstelle des Rheinischen Industriemuseums übernommen werden. Diese Übernahme kam aber nicht zustande. Erst Mitte der 1980er Jahre wurden die bis zu diesem Zeitpunkt noch erhaltene, aus großen Ruhrsandsteinblöcken gefertigte Stauanlage im Deilbach im Rahmen einer Gewässersanierung abgerissen. 2002 wurden auf Initiative des Fördervereins IDEE – Initiative Denkmäler Essens erhalten e. V. und des Ruhr Museums eine grundlegende denkmalpflegerische Bauaufnahme zum Hammergebäude und den Arbeiterhäusern durch die Schloß Raesfeld GmbH erstellt. Diese Studie empfiehlt u. a. den historischen Unterwassergraben wiederherzurichten, um die regelmäßigen Wasserschäden an den Gebäuden zu minimieren. 2003 wurde das Raesfeld Gutachten ergänzt durch eine Studie der Stadtwerke Essen AG zur baulichen Wiederherstellung des ehemaligen Werkgrabens. Seit 2004 ist der Deilbachhammer ausgewiesenes Objekt auf der Route der Industriekultur (www.industriekultur.de), die vom RVR im Gefolge der Internationalen Bauausstellung Emscherpark initiiert und in das Netzwerk der europäischen Industriekultur integriert wurde (European Route of Industrial Heritage, www.erih.net). In Ergänzung und Aktualisierung der Raesfeld Studie wurde das Ensemble 2009 von der Hochschule Bochum, Lehrstuhl Prof. Dr.-Ing. H.-J. Przybilla, in einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt mit aktuellen Laserscan- und Fotogrammetrieverfahren dreidimensional und maßstabsgerecht erfasst und dokumentiert.

Der Deilbachhammer verkörpert zusammen mit den anderen Denkmälern der Kulturlandschaft Deilbachtal in seltener Geschlossenheit die Vor- und Frühgeschichte des Industrialisierungsprozesses. Als letzte an ihrem originalen Standort erhaltene Zeugnisse einer historischen Produktionstechnik könnten sie -instandgesetzt- einen besonderen Akzent setzten. Zusammen mit dem Weltkulturerbe „Zeche Zollverein XII“ wären damit die Anfänge und der Höhepunkt der Industriekultur auf Essener Stadtgebiet dokumentiert. Eingebettet in einen Landschaftsraum, der auch heute noch vielschichtig sichtbare Spuren seiner über die Jahrhunderte unterschiedlichen Formen der Bewirtschaftung und Nutzung aufweist, ist möglicherweise in der Verbindung von Natur- und Kulturgeschichte das Potential zu einem “Denkmal von nationaler Bedeutung“ gegeben.

Der Zahn der Zeit hat inzwischen nicht nur am Hammergebäude erhebliche Schäden und Spuren hinterlassen, sondern auch an den technischen Einrichtungen.

Für die Sanierung des kompletten Hammers, stellte die NRW Stiftung erfreulicherweise 250.000 € zur Verfügung und stellte bis zu 20.000 € zusätzlich in Aussicht, wenn durch bürgerliches Engagement auch eine Spendensumme von 20.000 € aufgebracht wird.

Mit den Instandsetzungsarbeiten insbesondere des technischen Inventars des Hammers wurde in der zweiten Jahreshälfte 2017 begonnen. Ebenfalls starteten die Mauerarbeiten in Abstimmung mit der Denkmalbehörde für einen Rückbau, Durchbruch für eine Doppeltür, in der rechten Seite des Hammergebäudes (Hofansicht).

Ehemaliges Meisterhaus

Für das sogenannte „Meisterhaus“ gab es bislang keine grundlegende denkmalpflegerische Bauaufnahme. Das zweigeschossige, auf einem Natursteinsockel aufstehende Fachwerkgebäude mit Satteldach ist an den beiden Giebelseiten und auf der südlichen Fassadenseite schieferverkleidet. Lediglich die nördliche Gebäudeseite ist fachwerkansichtig. Auf der nord-westlichen Giebelseite steht ein angegliederter Stallanbau aus Ruhrsandstein, der zu öffentlichen Toilettenanlagen umgebaut wurde. Dieser relativ große Stallanbau wurde vermutlich während der Betriebszeit der Deilthaler Eisenbahn gebaut und könnte dieser als Pferdestall gedient haben. Etwa auf der Mitte der Gesamtstrecke liegend, wäre der Deilbachhammer dann eine Relaisstation zum Wechseln der Pferde gewesen. Das Meisterhaus ist auf der östlichen Seite mit einem historischen Tonnengewölbe unterkellert. Im nord-westlichen Teil des Hauses sind im Erdgeschoss noch die historischen Bodenplatten sowie in das Gebäude integrierte Reste von Stallungen und Vorratsräumen erhalten, die auf die ursprüngliche, die Gewerbearbeit flankierende agrarische „Subsistenzwirtschaft“ verweisen. Die heutige, kleingliedrige Raum- und Treppenhausstruktur stammt weitestgehend aus dem 19. Jahrhundert. Reste einer großen barocken Kaminanlage lassen aber die Vermutung zu, dass das Gebäude ursprünglich anders gegliedert war. Durch umfassende Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen in den 1980er Jahren haben leider erhebliche und wenig denkmalgerechte Eingriffe in die originale Bausubstanz stattgefunden. Die Räume im Erdgeschoss wurden in den 1990er Jahren regelmäßig für museumspädagogische Aktivitäten genutzt, heute hat dort die Jugendberufshilfe einen Außenstandort eingerichtet. Die oberen Räume waren bis 2016 vermietet und bewohnt. Danach standen sie leer und seit Mitte 2017 werden sie für Besprechungen der Projektgruppe und des Konsortiums Deilbachtal genutzt.

Im Dezember 2017 wurde ein Bauantrag zur Sanierung und Nutzungsänderung des Meisterhauses eingereicht. Das Nutzungskonzept sieht eine Wohnnutzung durch zwei Einheiten im Ober- und Dachgeschoss vor, im Erdgeschoss sollen Räumlichkeiten für eine sozialaffine Nutzung durch die Jugendberufshilfe geschaffen werden.

Arbeiterhäuser

Das sogenannte Arbeiterhaus besteht aus zwei unabhängig voneinander errichten baulichen Einheiten, die erst nachträglich zu einer Gebäudereinheit verbunden wurden. Der ältere Gebäudeteil ist bereits 1831 quellenmäßig belegt. Das in Fachwerkbauweise mit 2 Geschossen errichtete Gebäude ist unterkellert und weist eine kleingliedrige Raumabfolge mit niedrigen Deckenhöhen auf. Die Gefache sind mit unterschiedlichen, im Tal vorhandenen Baustoffen ausgekleidet (Eichenstaken/ Lehm-Weidenflechtwerk, Ruhrsandsteine, Ziegelsteine). Die verwendeten Baumaterialien sind zugleich ein Beleg für die Geschichte der lokalen Baustoffe. Die nördlich gelegene zweite Baueinheit wurde vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau der Deiltahler Eisenbahn (1831 – 1841) in massiver Vollbauweise in Ruhrsandstein errichtet. Das eingeschossige Gebäude ist nicht unterkellert, weist Räume mit außergewöhnlich hohen Decken und großen Fenstern auf und wird in einer Quelle aus dem Jahr 1881 als „Schreinerei“ ausgewiesen.

Bei der Bauaufnahme im Jahr 2002 wurden in den Wänden Spuren gefunden, die auf den Einbau von Maschinen schließen lassen. Da die Arbeiten zur Instandhaltung der Deilthaler Eisenbahn in der Verbindung von Holz- und Schlosserarbeiten ausgeschrieben waren, ist zu vermuten, dass diese „Schreinerei“ zusammen mit der vermutlich zeitgleich entstandenen „Schmiede“ als baulicher Erweiterung des vorhandenen Hammergebäudes, eine Art von „Bahnbetriebswerk“ zu dieser frühen Eisenbahnstrecke gewesen ist. Zu einem späteren, nicht genau bekannten Zeitpunkt wurden die beiden Baueinheiten zu einem geschlossenen Baukörper vereint, was heute immer noch an den Baunähten in der Fassade zu sehen ist. Zusätzlich wurden der Gebäudeeinheit ein halbunterkellerter Raum mit Pultdach, ein außergebäudiger Abort und ein Schuppen angefügt.

Bis etwa zum Jahr 2000 wurde das Arbeiterhaus zu Wohnzwecken mit zwei separat zugänglichen Einheiten genutzt. Um einen beschleunigten Bauverfall zu vermeiden, wurde die Gebäudeeinheit 2003 nach Vorgaben der Schloß Raesfeld GmbH konservatorisch gesichert.

Für die Sanierung und die Nutzungsänderung der durch statische Sicherungsmaßnahmen geschützten Arbeiterhäuser wurde Ende 2016 die Baugenehmigung erteilt.
Diese erfolgte auf der Grundlage einer Planung, die eine Komplettsanierung hin zu einer kulturellen und touristischen Nutzung mit bildungs- und vermittlungsorientierem Schwerpunkt vorsieht.
Das Gebäude wird unter anderem über ein Bistro sowie über Räumlichkeiten für eine museumspädagogische Nutzung verfügen.

Die im Jahr 2016 begonnenen Arbeiten machten eine intensive Auseinandersetzung mit der zukünftigen Statik des Gebäudes notwendig, was zunächst zum Ruhen des Baufortschritts führte. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse flossen in weitere Abstützmaßnahmen nach Statikeraufsicht ein.

Ein erster großer Schritt:
Am 11.07.2017 erfolgete in Anwesenheit des Konsortiums, vieler Bürger, Mitarbeiter/innen der Verwaltung undPolitische Mandatsträger (Mitglieder des Rates, des Landtages und des Bundestages)durch den Oberbürgermeister Thomas Kufen, der offizielle Baustart.

Ein zweiter großer Schritt:
Im Januar und März 2018 konnte dann der neue Dachstuhl aufgebracht werden. Ein Teil der vom LVR bereitgestllten Mittel wurden für die statischen Maßnahmen, die Dachstuhlsanierung und für erste Mauerwerksarbeiten verwendet.

Richtfest:
Das Konsortium Deilbachtal, die Grundstücksverwaltung Stadt Essen (GVE) und der Verein "Freunde und Förderer des Deilbachtals" feierten am 17.3.2018 das offizielle Richtfest am ersten Arbeiterhaus des Eisenhammer-Ensembles im Deilbachtal.
Das traditionelle Fest der Zimmerleute anlässlich der Fertigstellung des neuen Dachstuhls nahmen die Beteiligten zum Anlass, um unter anderem bei Führungen durch die Gebäude über den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten zu berichten.
Die Gäste konnten zudem "Spendennägel" aus dem alten Baubestand erwerben, die das Schmiedeteam des Ruhr Museums angefertigt hat.Der Erlös aus dem Verkauf unterstützt den Erhalt des Deilbach-Ensembles.
Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen besuchte das Richtfest. Er begrüßte es, dass man in Essen das traditionelle Handwerk und seine Stätten wahre und wieder instand setze: "Das Deilbach-Ensemble ist ein großartiges Zeitzeugnis der Frühindustrie. Es ist schön zu sehen, wie hier bei der Restaurierung des Ensembles viele an einem Strang ziehen. Das Konsortium Deilbachtal hat mit dem historischen Verein Stadt und Stift Essen, dem IDEE e.V., dem Ruhr Museum, der Bürgerschaft Kupferdreh und der Stadt Essen eine starke Mitglieder-gemeinschaft, die etwas bewegen kann." Sein Dank galt auch allen Förderern, Sponsoren und weiteren Beteiligten wie der Jugendberufshilfe Essen gGmbH für ihre tatkräftige Unterstützung.